Wie alles begann…

2015 kamen kamen viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen nach Celle. Um sie willkommen zu heißen, hat fehlhaber.medien eine Seite ins Leben gerufen, die die Vielfalt der hier lebenden Menschen zeigt. Heute erweitern wir die Seite und zeigen, was wir alle zusammen für Celle bewegen. Ob Celler, Cellenser, Zugezogene oder Zugereiste: zusammen sind wir Celle.

Johanna & Tim Schwab

Als Amerikanerin und Österreicher in Mexiko aufgewachsen

Wir sind Tim und Johanna Schwab, 21 und 20 Jahre alt, und wohnen seit 2014 in Celle. Die Frage, wo wir herkommen, ist gar nicht so einfach zu beantworten.

Ich, Johanna, bin in den USA geboren und Tim in Österreich. Beide sind wir aber im selben Dorf in Mexiko im Bundesland Oaxaca aufgewachsen. Dort haben wir 2014 auch geheiratet. Kurz darauf sind wir nach Celle gezogen, wo auf Tim ein Ausbildungsplatz als Mechatroniker wartete und sich eine Wohnmöglichkeit für uns bot. Da ein Teil von Tims Familie auch in Celle wohnt, waren wir damit sehr zufrieden. Wir sprechen Deutsch, Englisch und Spanisch fließend – einer der vielen Vorteile international aufgewachsen zu sein. Wir mögen Celle als Stadt mit viel Geschichte und Kultur. Besonders das Celler Schloss beeindruckt uns immer wieder aufs Neue. Wir finden die Offenheit und Freundlichkeit der Celler sehr toll, die sich jetzt auch wieder durch die Aufnahme- und Spendebereitschaft für die Flüchtlinge bewiesen hat.

„Trotzdem hoffen wir, nach Tims Ausbildung wieder zurück nach Mexiko zu ziehen – irgendwie bleibt es doch „zu Hause“.“

Omar & Omar – Syrien

„Es ist uns eine Ehre zu helfen“

Omar Kalthoum & Omar Maradini

Sie haben Hilfe erfahren und werden nun selbst zu Ehrenamtlichen: Seit Anfang September leben Omar Kalthoum (23) und Omar Maradini (19) in der Flüchtlingsunterkunft in der Celler Immelmann-Kaserne. Beide Männer kommen aus Syrien und sind mehrere Monate auf der Flucht vor dem Krieg gewesen. In Celle haben diese Strapazen vorerst ein Ende genommen. Doch von Ruhe und Erholung wollen die beiden jungen Männer nichts wissen. Seit ihrer Ankunft sind sie für die ehrenamtlichen Helfer des Roten Kreuzes und der Soldaten der Bundeswehr zu wertvollen Helfern geworden. Angefangen hat alles mit der Unterstützung bei der Verständigung mit anderen Flüchtlingen. Aus dem Englischen übersetzten sie ins Arabische, Türkische und teilweise ins Kurdische, sodass es möglich war, wichtige Informationen weiterzugeben. Mittlerweile, nach fast drei Wochen, sind die beiden Omars zum festen Bestandteil des Camps geworden und zu wahren Freunden der ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Sie übersetzen in der medizinischen Sprechstunde, bei Ansprachen an alle Bewohner oder bei Gesprächen zwischen den Helfern und einzelnen Bewohnern des Camps. Egal zu welcher Zeit, auf die beiden jungen Männer ist Verlass. Sogar mitten in der Nacht, wenn neue Flüchtlinge im Camp oder am Celler Bahnhof ankommen, sind sie unermüdlich dabei und unterstützen wo sie nur können.

Auf die Frage, warum sie dies tun kommt eine kurze und bescheidene Antwort: „Es ist uns eine Ehre zu helfen. Uns ist soviel Hilfsbereitschaft in Deutschland entgegengebracht worden, wofür wir uns somit erkenntlich zeigen wollen.“

Gern wollen beide Flüchtlinge in Celle bleiben. Sie wollen weiter helfen. Sie wollen weiter mit ihren neuen Freunden vom Roten Kreuz in Kontakt bleiben und sich ein sicheres neues Zuhause in Deutschland, in Celle aufbauen. Doch viel Zeit zum Planen der Zukunft bleibt den beiden jungen Männern nicht, denn schon wieder packen sie an. Diesmal bei der Ausgabe von Bekleidung für die anderen Bewohner des Camps.

Jovana Miladinovic – Serbien

„Ich bin weder Deutsche noch Serbin und feiere zweimal Weihnachten“

Jovana Miladinovic

Ich bin mit zwei verschiedenen Kulturen und Sprachen aufgewachsen, habe zwei Heimatländer und zwei Muttersprachen. Denn meine Eltern stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien, das es so nicht mehr gibt, da es durch zahlreiche Bürgerkriege zerstört wurde. Ich aber wurde hier in Celle geboren und bin auch größtenteils hier aufgewachsen. Meine Eltern haben mich mit der serbischen Sprache aufgezogen und Deutsch habe ich erst im Kindergarten gelernt, sodass ich mit beiden Sprachen und Kulturen gleichermaßen erwachsen geworden bin. Ich be!nde mich zwischen zwei Nationen fühle mich zwischen diesen beiden hin und her gerissen. Ich bin weder Deutsche noch Serbin.

Der Großteil meiner Familie ist auf dem Balkan verteilt und ich besuche sie auch jedes Jahr im Sommer. Für meine Eltern ist das dann immer die Rückkehr in die Heimat, doch ich fühle nur teilweise so, denn Deutschland (Celle) ist zum gleichen Teil meine Heimat wie Serbien. Ein Beispiel für das Zusammentreffen dieser beiden Kulturen in meinem Leben ist Weihnachten. Ich habe die serbisch-orthodoxe Religion und wir feiern Weihnachten erst am 7 .Januar. Da in Deutschland Weihnachten bereits am 24.12 gefeiert wird, wusste ich schon von klein auf, dass ich etwas anders bin als die anderen Kinder. Denn alle meine Freunde haben schon am 24.Dezember ihre Geschenke erhalten und ich musste mehr als zwei Wochen warten. Daraufhin haben meine Eltern irgendwann beschlossen, meinen Bruder und mich an beiden Terminen zu beschenken. Sie wollten uns damit ermöglichen, uns besser an die Kultur anzupassen – in dem Land, in dem wir leben.

Hatti

Hatti

Ich habe zwar kurdische Wurzeln, bin aber in Celle geboren und damit bekanntlich nicht nur Celler, sondern „Cellenser“. Meine Eltern kamen Anfang der 70er Jahre als Gastarbeiter nach Celle, mein Vater arbeitete als Schweißer, meine Mutter im AKH.

Seit 2001 betreiben wir das Medya Restaurant in der Innenstadt als Familienunternehmen. Ich engagiere mich auch politisch und bin im Ortsrat und merke, dass man manchmal mit kleinen Schritten auch vorankommt, wo man sich große wünscht. Ich liebe meine Stadt. Sie ist eindeutig die schönste Stadt Deutschlands und überschaubar – egal wo ich bin, treffe ich immer Menschen, die ich mag. Irgendwie ist Celle für mich das Auenland aus „Herr der Ringe“. Wer sich beschwert, dass hier zu wenig los sei, der wird in einer Großstadt genau so nörgeln. Außerdem bin ich regelrecht stolz darauf, wie sich die Celler ehrenamtlich Hand in Hand für die Flüchtlinge einbringen, ohne sich zu profilieren. Ich selbst bin weder kurdisch noch deutsch – meine Nationalität ist Mensch.

Eine Mannschaft – drei Länder

„Ohne diese Spielerinnen wäre der SVG nicht in der ersten Liga“

(v.r.n.l.) Nives Ahlin, Jolanda Robben, Milica Covic, Renee Verschuren

„Ohne unsere vier Ausländerinnen wären wir nur halb so durchschlagskräftig und es wäre viel schwerer, die erste Liga zu halten. Mit Nives und Melica haben wir uns im Rückraum sehr verstärkt. Nives, die auf Rückraum links spielt, besitzt eine Schnelligkeit in ihrer „Eins-zu-eins-Bewegung“, die den Gegner schon mal stehen lassen kann.

Milica hat eine Wurfkraft und Geschwindigkeit, die uns die einfachen Tore von hinten bringt. Genau diese hatten uns die vorige Saison gefehlt. Durch Milica und Nives konnten wir den Rückraum verstärken. Renee ist seit 2008 dabei und Jolanda seit 2007. Sie haben jede Höhe und Tiefe des Vereines mitgemacht und ihm immer die Stange gehalten. Renee ist eine Type,die in den vergangenen Jahren mit Jolanda den SVG geprägt haben. Ohne diese beiden wäre der SVG bestimmt nicht in die erste Liga aufgestiegen. Jolanda versteht es immer wieder, neue Spielerinnen in die Mannschaft zu integrieren und schafft es, dass sich diese schnell wohlfühlen. Jeder kann sie Tag und Nacht anrufen und genau das wissen und nutzen auch die Spieler. Auch außerhalb des Platzes gibt bei ihr nicht nur Handball: Sie geht für den Verein zu Schulprojekten oder nimmt Sponsorentermine wahr.“

Tanja Engel, Mannschaftsbetreuerin

Beam Phornthiwa Weineck – Thailand

„Wir müssen uns nicht für unsere Herkunft schämen

Beam Phornthiwa Weineck

Ich wurde am 11.10.1995 in Chiang Mai, Thailand geboren. Mit sieben Jahren zogen wir nach Deutschland. Mein erster besonderer Moment war, als ich direkt ohne Deutschkenntnisse eingeschult wurde. Es war toll, wie mich die meisten Mitschüler trotz des Sprachhindernisses akzeptierten und mir die Möglichkeit gaben, die deutsche Sprache zu lernen. In den vergangenen 13 Jahren lernte ich viel über Toleranz, Akzeptanz, Geduld und Empathie, denn ohne diese Werte, die mir hauptsächlich von meinen Mitmenschen vermittelt wurden, würde ich heute nicht da stehen, wo ich bin. Doch musste ich auch die anderen Seiten der Intoleranz, der Vorurteile und der Beleidigungen kennenlernen. Nichtsdestotrotz habe ich gelernt damit umzugehen, den Menschen die mich mit ihren negativen Einstellungen gegenüber Ausländern konfrontierten und heutzutage noch damit konfrontieren, die Stirn zu bieten. Stärke zu zeigen und ihnen Kontra zu bieten ist hierbei enorm wichtig, denn wir „Einwanderer“ müssen uns nicht für unsere Herkunft und unseren Wurzeln schämen.

Dr. Blaise Pokos – Kongo

Dr. Blaise Pokos

Ich lebe seit 2008 in Celle und arbeite in der CD-Kaserne als Sozialpädagoge. Vorher habe ich in Oldenburg Sozial- und Erziehungswissenschaften studiert. In meiner Heimat, dem Kongo, war ich Journalist, Radio- und TV-Moderator. Dank der neuen Medien bin ich heute noch mit meiner Heimat auf ganz einfache Weise verbunden. Celle allerdings ist meine zweite Heimat geworden und ich habe mich bewusst für diese Stadt entschieden.

Die Stadt ist ein Ort, wo ich mich kulturell und menschlich weiterentwickeln kann. Aber ich vermisse zugegeben die Sonne – an die Kälte in Deutschland musste ich mich erst einmal gewöhnen. Seit 2004 predige ich in verschiedenen Freien evangelischen Gemeinden, auch hier in Celle. Gott bedeutet für mich alles – er ist die Hoffnung auf etwas Besseres, egal wie schlimm es heute aussieht. Und er ist im Kongo und in Deutschland der gleiche Gott.

Khai Nhon Behre – Vietnam

„Lerne lesen und schreiben, dann steht dir die Welt offen“

Khai Nhon Behre

Manchmal werde ich von fremden Menschen gefragt, wo ich denn herkomme. „Aus Celle“ antworte ich meistens und bekomme dann immer einen verwunderten Blick. Dabei denke ich nie darüber nach, wie ich aussehe und eventuell als Fremder angesehen werde. Meine Kollegin sagt manchmal, dass ich „deutscher als deutsch“ sei, da ich viele Sachen sehr genau nehme. Eine halbe Stunde später höre ich dann, dass ich eine „asiatische Gelassenheit“ und Ruhe an den Tag lege. Das bringt mich dann zum Schmunzeln.

1978 bin ich mit meinen Eltern als Boat People aus Vietnam geflüchtet. Als chinesische Minderheit wurden meine Eltern in Vietnam verfolgt. Da wir aber vermögend waren, konnten wir es uns leisten, mit der Hai Hong zu fliehen und sind nicht mit den kleinen „Nussschalen“ untergegangen.

Wenn man hier aufgewachsen ist und „integriert“ wird, merkt man selbst nicht, dass man als fremd angesehen wird. Vielleicht liegt es auch daran, dass man eh‘ nicht versteht, was andere Kinder zu einem sagen. Ich hatte jedenfalls eine schöne Kindheit! Mein Vater hatte immer gesagt: „Geh in die Schule, lerne lesen und schreiben, dann steht dir die Welt offen.“ Lange habe das nicht verstanden. Heute bin ich ihm dafür sehr dankbar.